Der NRW-Wirt­schafts­blog
Klartext
im Westen

Arbeit sichert Wohlstand

Von Karl-Josef Laumann MdL

Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

"Ohne Fleiß kein Preis. Wohlstand und Leistung gehen Hand in Hand", betont NRW-Arbeits­mi­nister Karl-Josef Laumann im Blog.

Arbeit ist das Fundament unseres gesell­schaft­li­chen Wohlstands. In Nordrhein-Westfalen sorgen täglich über 7,3 Millionen sozi­al­ver­si­che­rungs­pflichtig Beschäftigte dafür, dass es dem Land nach wie vor gut geht. Dieser Höchststand an Beschäftigten ist auch den vielen innovativen Unternehmen im Handwerk, der Industrie und den Fami­li­en­un­ter­nehmen zu verdanken, die das Rückgrat der nordrhein-westfälischen Wirtschaft bilden.

Arbeit treibt unseren Wohlstand an, und das Konzept der sozialen Markt­wirt­schaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie hat in den letzten 75 Jahren die Basis für eine prosperierende Wirtschaft geschaffen. Doch: Ohne Fleiß kein Preis. Wohlstand und Leistung gehen Hand in Hand. Nur wenn wir unsere starke Leis­tungs­be­reit­schaft bewahren, können wir unseren Wohlstand sichern. Eine Laissez-faire-Haltung gefährdet diese Errun­gen­schaften.

Wir stehen vor einer großen Heraus­for­de­rung: In den nächsten zehn Jahren werden allein aus Altersgründen 1,5 Millionen Beschäftigte aus Nordrhein-Westfalen den Arbeitsmarkt verlassen. Um die Stabilität und Finanzierung unserer sozialen Siche­rungs­sys­teme zu gewährleisten, müssen wir die Zahl der sozi­al­ver­si­che­rungs­pflichtig Beschäftigten konstant halten. Angesichts der alternden Bevölkerung und des schrumpfenden Erwerbs­per­so­nen­po­ten­zials müssen wir das vorhandene Potenzial bestmöglich mobilisieren. Das bedeutet, Menschen, die hier leben oder zu uns kommen, schneller in Arbeit zu bringen. Dafür ist ein grundlegendes Umdenken in der Arbeitspolitik erforderlich.

“Ohne Fleiß kein Preis.”

Die Zeit der Massen­ar­beits­lo­sig­keit ist vorbei. Heute steht die nordrhein-westfälische Wirtschaft vor der Heraus­for­de­rung, genügend Arbeitskräfte zu finden. Der Fokus muss daher ganz klar auf der Vermittlung in den Arbeitsmarkt liegen. Im Rahmen der Fach­kräf­te­of­fen­sive NRW suchen wir den Dialog, um die Integration in den Arbeitsmarkt zu fördern und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Meine Botschaft ist in diesem Zusammenhang klar: Wir brauchen jede und jeden, um die Heraus­for­de­rungen unserer Zeit zu stemmen. Jeder Mensch, der sein Wissen und seine Fähigkeiten einbringen möchte, soll dazu die Chance erhalten.

Um erfolgreich zu sein, muss auch der Rahmen stimmen. Grundsicherung und Bürgergeld müssen wir vom Kopf auf die Füße stellen. Es geht mir hierbei nicht um die Höhe der Leistungen, sondern um ein Mehr an Verbind­lich­keit und Eigen­ver­ant­wor­tung. Mit dem Bürgergeld hat die Ampel die Grundsicherung so unverbindlich ausgestaltet, dass man an ein bedin­gungs­loses Grundeinkommen denken könnte. Dahin deutet auch die Bezeichnung. Aber das kann nicht sein. Menschen müssen Termine wahrnehmen und zumutbare Arbeit annehmen. Wer in Zeiten des Arbeits­kräf­te­man­gels eine solche Arbeit ablehnt, muss spüren, dass die Soli­dar­ge­mein­schaft das nicht hinnimmt. Das schulden wir all jenen, die täglich arbeiten, ihren Beitrag leisten und mit ihren Steuern und Abgaben unser Sozialsystem tragen.

Der Wert der Arbeit drückt sich auch in fairer Bezahlung aus: Wer acht Stunden am Tag, fünf Tage die Woche arbeitet, muss von den Früchten seiner Arbeit leben können. Tarifverträge sind ein zentrales Element der sozialen Markt­wirt­schaft. Doch derzeit arbeiten nur rund 42 Prozent der Beschäftigten in Deutschland in tarif­ge­bun­denen Unternehmen. Wir brauchen mehr Tarifbindung, eine sachgerechte Weiter­ent­wick­lung des Mindestlohns sowie starke Tarif­ver­trags­partner, die sich auf Augenhöhe begegnen. 

“Arbeit ist mehr als Brot­er­werb”

Der persönliche Wert von Arbeit geht über den rein finanziellen Nutzen hinaus – Arbeit ist mehr als Broterwerb. Mit Arbeit geht das gute Gefühl einher, etwas Sinnstiftendes zu tun. Arbeit erhöht das Selbst­wert­ge­fühl, bietet Struktur und sorgt für soziale Anerkennung. Darüber hinaus fördert Arbeit soziale Kontakte und Teilhabe. Ich glaube, jeder Mensch braucht dieses Gefühl und niemand möchte freiwillig darauf verzichten.

Viele Menschen müssen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Einklang bringen. Ich möchte nicht die arbeits­ge­rechte Familie, sondern setze mich für die fami­li­en­ge­rechte Arbeitswelt ein. Familien sind der Ort, der die Entwicklung von Kindern hauptsächlich beeinflusst – auch was ihre spätere Zukunft auf dem Arbeitsmarkt angeht. Darüber hinaus ist die Familie für viele Menschen ihr persönlicher Rückhalt. Natürlich gibt es triftige Gründe, zeitweise weniger zu arbeiten, beispielsweise für Kinder­er­zie­hung oder Pflege. Wichtig ist, dass Anreize vorhanden sind, nach einer veränderten Fami­li­en­si­tua­tion wieder in den Beruf einzusteigen.

Für den gesell­schaft­li­chen Zusammenhalt und die jüngeren Generationen dürfen wir den Grundsatz, dass Arbeit Wohlstand sichert, niemals aus den Augen verlieren. Wir müssen entsprechend möglichst viele Menschen in Arbeit bringen, den privaten und gesell­schaft­li­chen Wert von Arbeit unmiss­ver­ständ­lich hervorheben und gleichzeitig dafür sorgen, dass Arbeit anständig bezahlt ist und mit besonderen Fami­li­en­si­tua­tionen vereinbar ist. Das sind für mich als Arbeits­mi­nister die alles­ent­schei­denden Punkte.

Über den Autor
Karl-Josef Laumann MdL

Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

Zum Autor